Dogdance

Dogdance ist eine Hundesportart, die noch nicht ganz im Kreise der „anerkannten“ Hundesportarten angekommen ist. Früher oft belächelt, wird Dogdance nun zunehmend auch von den „alten Hasen“ des Hundesports ernstgenommen.

Und das hat seinen guten Grund. In der Königsklasse, der Klasse 3, tanzen Hund und Halter eine Choreographie von bis zu 4 Minuten, perfekt abgestimmt zur Musik, d.h. jede Übung muss sekundengenau getimt sein, jedes Vorwegnehmen oder etwaige Verzögerungen fallen auf. Zumeist finden Turniere indoor auf Messen oder großen Ausstellung statt, es kommt also ordentlich Ablenkung dazu. Doch was ist Dogdance genau, wo kommt es her und ist es überhaupt so anders als andere Hundesportarten?

Die Ursprünge
So genau sagen, wer zuerst die Idee hatte, Fußarbeit mit Musik zu kombinieren, lässt sich nicht. Bekannt aus Amerika ist auf jeden Fall Carolyn Scott mit ihrem Golden Retriever Rookie, die zu Grease’s „You’re the one that I want“ bereits in den 90ern den Ring rocken. In England war Mary Ray die erste, die im Ehrenring der Crufts „Heelwork to Music“ – also Fußarbeit zu Musik zeigen, zur Auflockerung der Obedience-Championships. Nach Deutschland gebracht, populär gemacht und den Darbietungen den Namen „Dogdance“ gegeben, hat Denise Nardelli. In der Schweiz folgte dann Claudia Moser und so wurde im November 2009 in Friedrichshafen am Bodensee mit anderen Sportlern der Verein Dogdance International (DDI e.V.) gegründet.

Die Zielsetzung
Dogdance möchte ein Sport für jedermann und jederhund sein. Das zeigt sich auf mehreren Ebenen. Es gibt auf Turnieren Funklassen, in denen die Belohnung mit Futter und Spielzeug erlaubt ist und weiterhin gibt es spezielle Seniorenklassen für ältere Hunde, Handicap-Klassen für besondere Hunde und Juniorenklassen zur Nachwuchsförderung. Grundsätzlich darf wirklich jeder mitmachen, ob Mischling oder Rassehund und auch auf internationaler Ebene wird das unterstützt, so hat die OEC – die Open European Championship – vergleichbar mit der EO im Agility mehr Zulauf als die WM, die nur Rassehunden vorbehalten ist.

Der Sport
Dogdance ist eine Darbietung von Fußarbeit und Tricks zu einer perfekt dazu abgestimmten Musik. Es gibt dabei 2 Divisionen: „Freestyle“, in dem alles erlaubt ist und „Heelwork“, in welchem 75% der Choreographie aus Fußpositionen bestehen soll. Dabei gibt es nicht nur das aus dem Obedience, der BH oder Unterordnung bekannte „Fuß“ links am Bein des Hundehalters, sondern 18 unterschiedliche Positionen innerhalb des DDI-Reglements.
Neben unterschiedlichen Funklassen, wie z.B. der Beginnerklasse für Turnierneulinge oder der Openklasse, für alle, die ihre Choreographie vor oder nach einem offiziellen Start noch einmal unter Turnierbedingungen trainieren wollen, gibt es die offiziellen Klassen.
Hierbei startet man in Klasse 1 und qualifiziert sich nach und nach für Klasse 2 und 3, ähnlich wie im Agility. Jedoch muss man nicht gewinnen, man sammelt Aufstiegspunkte, die sich aus der Punktzahl des Erstplatzierten errechnen, um die Relation zu wahren. 85% derer muss man erreichen, um einen Aufstiegspunkt zu erhalten, das heißt, man kann zwar den 3. Platz machen auf einem Turnier mit wenig Startern, aber wenn es an diesem Tag mal nicht so geklappt hat, erhält man ggf. keinen Aufstiegspunkt. So soll gewährleistet sein, dass die Hunde nicht allzu schnell aufsteigen und überfordert werden. Mit 2 Aufstiegspunkten kann, mit 7 muss man aufsteigen.
Zudem gibt es auch die offizielle Klasse „Senioren & Handicap“, damit auch die älteren Hunde Platz haben und gewürdigt werden.
Hervorzuheben ist, dass in der Richterausbildung im Dogdance akribisch auf die Schulung der Richter Wert gelegt wird, wenn es um Gesundheitsfragen geht. Publikumswirksam ist „schneller, höher, weiter“ nämlich allemal, nur nicht unbedingt der Gesundheit unseres besten Freundes zuträglich…
So gibt es sogenannte „Gesundheitspunkte“, also Abzüge für gesundheitsgefährdende Tricks, z.B. wenn ein Hund nach einem Trick nicht sofort wieder klar weiterläuft oder einen Sprung taxiert.

Training
Das Tolle an Dogdance ist, dass für das Training der einzelnen Elemente nicht viel Platz notwendig ist, man also gut daheim trainieren kann. Immer wichtiger wird dann aber die grundsätzliche Motivation des Hundes und das Ablenkungstraining. Im Training selbst kommt man ohne positive Bestärkung zum Glück nicht wirklich weit, unter Anderem wird auch die Arbeitsfreude und Ausstrahlung des Hundes im Turnier unter dem Aspekt „Teamwork“ bewertet – bei gleicher Punktzahl gewinnt übrigens das Team mit den höheren Teamworkpunkten.
Ansonsten gibt es im Dogdance durchaus auch Parallelen zu anderen Hundesportarten. Zum Obedience, der „Mutter“ des Dogdance sowieso, aber auch das in der VPG-Unterordnung betriebene Futtertreiben wird zum Training der Fußarbeit genutzt, ohne dass dies vielen Dogdancern bewusst ist.

Dogdance möchte weiterhin ein Sport für jeden bleiben, darin liegt auch seine Stärke. Denn welche andere Hundesportart lässt sich so individuell an ein Team anpassen? Ein tolles Beispiel ist hierbei eine Schweizer Starterin, die mit ihrem 12-jährigen Nova Scotia Duck Tolling Retriever Rüden im stolzen Alter von über 80 noch auf Turnieren tanzte – eben das macht Dogdance so einzigartig. Und dennoch ist es eine echte Sportart, die, vorallem in Klasse 3, Höchstleistungen von Hund und Halter fordert.